Literarische Epoche · ca. 1880–1900
Naturalismus
Radikalisierter Realismus (ca. 1880–1900), der soziales Elend und Verfall schonungslos und wissenschaftlich-objektiv darstellte.
Historischer Hintergrund
Der Naturalismus entstand ab etwa 1880 als Radikalisierung des Realismus, beeinflusst von den wissenschaftlichen Theorien Charles Darwins und Emile Zolas Forderung nach einem „experimentellen Roman“, der menschliches Verhalten wie ein naturwissenschaftliches Phänomen analysiert.
Literarische Merkmale
Naturalistische Autoren stellten soziales Elend, Armut, Krankheit und Alkoholismus schonungslos und ohne beschönigende Erzählhaltung dar, oft unter dem Einfluss von Vererbungs- und Milieutheorien, wonach Umwelt und Abstammung das Schicksal des Menschen determinieren. Der sogenannte „Sekundenstil“ versuchte, Ereignisse in nahezu Echtzeit-Detailgenauigkeit wiederzugeben.
Wirkung und Nachwirkung
Der Naturalismus machte soziale Missstände erstmals zum literarischen Hauptthema und beeinflusste spätere sozialkritische Literatur sowie den investigativen „Muckraking“-Journalismus in den USA.
Zentrale Merkmale
- Schonungslose Darstellung von Armut, Krankheit und Verfall
- Einfluss zeitgenössischer Vererbungs- und Milieutheorien
- Anspruch wissenschaftlich-objektiver Beobachtung
- Detailgenauer „Sekundenstil“
- Fokus auf Arbeiterschicht und industrielles Elend
Wichtige Werke dieser Epoche
In unserem Verzeichnis ist kein Autor primär als Naturalist eingeordnet – dieses Werk zeigt jedoch inhaltlich klar naturalistische Züge:
- Der Dschungel (Upton Sinclair, 1906) – zeitlich der Moderne zugeordnet, inhaltlich ein Musterbeispiel naturalistischer Sozialkritik