Literarische Epoche · ca. 1765–1785
Sturm und Drang
Kurze, rebellische deutsche Literaturbewegung (ca. 1765–1785), die Gefühl und individuelles Genie feierte.
Historischer Hintergrund
Der Sturm und Drang war eine Bewegung junger deutscher Dichter der 1770er Jahre, benannt nach einem Drama Friedrich Maximilian Klingers. Als Gegenbewegung zur nüchternen Vernunftgläubigkeit der Aufklärung feierten die „Genies“ dieser Zeit – allen voran der junge Goethe und Schiller – Gefühl, Natur und individuelle Freiheit.
Literarische Merkmale
Typisch sind leidenschaftliche, oft rebellische Hauptfiguren, die sich gegen gesellschaftliche Zwänge auflehnen, sowie eine emotional aufgeladene, bildreiche Sprache jenseits klassischer Formstrenge. Vorbilder waren Shakespeare und Rousseau statt der antiken Klassiker.
Wirkung und Nachwirkung
Der Sturm und Drang legte den Grundstein für die spätere Weimarer Klassik, an der Goethe und Schiller nach ihrer „Genie-Phase“ reifer weiterarbeiteten, und beeinflusste die europäische Romantik nachhaltig.
Zentrale Merkmale
- Gefühl und individuelle Genialität über Vernunft gestellt
- Rebellion gegen höfische und gesellschaftliche Konventionen
- Verehrung Shakespeares als Vorbild freier Kunst
- Jugendlicher, leidenschaftlicher Ausdrucksstil
- Kurze, aber sehr einflussreiche Bewegung (ca. 20 Jahre)
Wichtige Werke dieser Epoche
In unserem Autoren-Verzeichnis sind Goethe und Schiller wegen ihres prägenden Gesamtwerks primär der Klassik zugeordnet – diese frühen Werke entstanden jedoch noch mitten im Sturm und Drang:
- Die Leiden des jungen Werther (Johann Wolfgang von Goethe, 1774)
- Die Räuber (Friedrich Schiller, 1781)
- Kabale und Liebe (Friedrich Schiller, 1784)