Literarische Epoche · ca. 1848–1890
Realismus
Strömung (ca. 1848–1890), die die gesellschaftliche Wirklichkeit genau, aber mit versöhnlicher Erzählhaltung abbildete.
Historischer Hintergrund
Der poetische Realismus entwickelte sich ab etwa 1848 als Reaktion auf das Scheitern der bürgerlichen Revolution und die zunehmende Industrialisierung Europas. Autoren wandten sich von der romantischen Überhöhung ab und wollten die gesellschaftliche Wirklichkeit möglichst genau abbilden.
Literarische Merkmale
Im Unterschied zum späteren Naturalismus mildert der Realismus schroffe soziale Härten durch eine versöhnliche, oft ironisch distanzierte Erzählhaltung (daher „poetischer“ Realismus). Im Zentrum stehen bürgerliches Alltagsleben, Ehekonflikte und gesellschaftliche Konventionen, meist erzählt von einem allwissenden Erzähler.
Wirkung und Nachwirkung
Der Realismus etablierte den Gesellschaftsroman als dominante Form des 19. Jahrhunderts und beeinflusste spätere realistische Strömungen weltweit, von der russischen bis zur amerikanischen Literatur.
Zentrale Merkmale
- Möglichst genaue, aber versöhnlich gemilderte Wirklichkeitsdarstellung
- Bürgerliches Alltagsleben und Ehekonflikte als Hauptthemen
- Feine, oft leicht ironische Erzählhaltung
- Ablehnung romantischer Überhöhung
- Aufstieg des Gesellschaftsromans
Autoren dieser Epoche
Wichtige Werke dieser Epoche
- Schuld und Sühne (Fjodor Dostojewski, 1866)
- Krieg und Frieden (Lew Tolstoi, 1869)
- Effi Briest (Theodor Fontane, 1895)
- Madame Bovary (Gustave Flaubert, 1857)
- Oliver Twist (Charles Dickens, 1839)
- Vater Goriot (Honoré de Balzac, 1835)
- Die toten Seelen (Nikolai Gogol, 1842)
- Der Kirschgarten (Anton Tschechow, 1904)
- Ein Puppenheim (Henrik Ibsen, 1879)